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Börsenturbulenzen.

Sind alle Unternehmen demnÀchst wertlos?
 
Flucht in Sachwerte als Alternative?


Die anhaltenden Turbulenzen strapazieren die Nerven der Anleger sehr stark. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, kĂŒhlen Kopf zu bewahren und die Situation möglichst emotionslos und faktenorientiert zu betrachten.

Tatsache ist, dass die Banken erheblichen Abschreibungsbedarf hatten und haben.

Zur Erinnerung:

Die USA gaben Garantien auf Kredite fĂŒr privat genutzte inlĂ€ndische Immobilien. Dies fĂŒhrte dazu, dass auch solche Menschen Kredite erhielten, die sich dies nicht leisten konnten. Das KalkĂŒl der Banken war, dass bei Nichtzahlung das Haus verkauft wird (die Immobilienpreise stiegen fast 10 Jahre lang) und ansonsten der Staat zu zahlen habe.

Anschließend wurden diese Kredite zusammengefasst zu sog. ABS (Asset Back Securities - Anleihen) und an der Börse verkauft. Damit trugen die KĂ€ufer (u.a. europĂ€ische Banken, Versicherungen etc.) dieser Papiere das Risiko. Damit jedoch nicht genug. Es wurden Wertpapiere (Zertifikate, Optionen etc.) auf diese Wertpapiere kreiert, d.h. das Volumen wurde weiter aufgeblĂ€ht, so dass der ursprĂŒngliche Kredit 5-mal gehebelt wurde und damit das Abschreibungsvolumen weit ĂŒber die ursprĂŒnglichen Kredite hinausgeht. Die Zinsen in den USA stiegen und die Banken stellten im großen Stil Kredite fĂ€llig, die nicht gezahlt werden konnten. Dadurch gerieten die Preise von privat genutzten HĂ€usern unter Druck, die Sicherheiten wurden neu bewertet, die nĂ€chsten Kredite fĂ€llig gestellt und damit der Markt weiter unter Druck gesetzt.
 
Da viele europĂ€ische Banken in diesen Markt investierten, entstand auch hier hoher Abschreibungsbedarf. Weil jedoch keine Bank ihr Abschreibungsvolumen veröffentlichte sank das Vertrauen, so dass die Banken sich untereinander kaum noch Geld liehen und damit LiquiditĂ€tsengpĂ€sse entstanden. Darauf haben die einzelnen Staaten inzwischen reagiert und GarantieerklĂ€rungen und Kapitalspritzen gegeben, bzw. die Notenbanken haben den Banken LiquiditĂ€t zur VerfĂŒgung gestellt und teilweise bereits die Leitzinsen gesenkt.
Die BefĂŒrchtungen gehen nun in zwei Richtungen.
 
1. Die USA waren bisher die Konjunkturlokomotive fĂŒr die Weltwirtschaft. Wenn die US-Amerikaner nun aber höhere Teile ihres Einkommens fĂŒr Kredittilgungen verwenden mĂŒssen, können sie nicht mehr soviel konsumieren. Damit wĂŒrden die USA und die ganze Welt in eine Rezession geraten.

Bereits seit lĂ€ngerer Zeit sagen Experten, dass die USA ihre Funktion als Konjunkturlokomotive an andere LĂ€nder (BRIC Brasilien, Russland, Indien, China und weitere SchwellenlĂ€nder z. B. Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam, Korea) verlieren werden. Dort steigt die Bevölkerungszahl stĂ€rker, es wird sehr viel in das Bildungsniveau investiert und das Volkseinkommen steigt sehr stark. Deshalb wird es zu einer massiven Verschiebung in der Weltwirtschaft kommen. Es vergeht kein Tag, an dem sich nicht arabische, indische, chinesische oder russische Investoren an westlichen Unternehmen beteiligen. Die deutschen Großunternehmen haben bereits darauf reagiert und ihre AktivitĂ€ten in diesen LĂ€ndern stark ausgebaut und die Chancen dieser MĂ€rkte erkannt.

2. Die Banken verleihen u. U. weniger Geld oder verlangen höhere Zinsen, so dass die Investitionen gehemmt werden.

Sicherlich wird die eine oder andere Investition mangels Finanzierung aktuell nicht getĂ€tigt. Insgesamt muss sich aber jeder Unternehmer ĂŒberlegen, ob eine Investition sinnvoll ist (unabhĂ€ngig von der Höhe der Zinsen) und entsprechende Sicherheitspolster schaffen (höhere Eigenkapitalquote). Hier wĂ€re z.B. der Staat gefordert, weil er durch die Abschaffung der degressiven Abschreibung (wirkt wie eine Zinserhöhung) die Bedingungen verschlechtert hat und die Realinvestitionen massiv zurĂŒckgegangen sind.

Auf Dauer mĂŒssen die Banken jedoch Kredite vergeben, weil dies ihr ursprĂŒngliches GeschĂ€ft ist und sie dauerhafte und planbare Einnahmen haben. Nicht umsonst haben die US - Investmentbanken (Goldman Sachs etc.) den Vollbankenstatut beantragt, um KreditgeschĂ€fte tĂ€tigen zu dĂŒrfen.

 
In der Summe glauben wir, dass wir eine typische psychologische Übertreibung an der Börse haben (Kostolany: „Börse ist 90 % Psychologie“) und daher ist eine sachliche Analyse wichtig.

In den nĂ€chsten ca. 15 Jahren werden wir etwa 1 Mrd. (!) mehr Menschen haben, die essen, trinken und wohnen wollen. Sie werden aber auch weitere BedĂŒrfnisse entwickeln. In diesen LĂ€ndern (BRIC, VAE, etc.) stellen wir aber auch einen stark anwachsenden Wohlstand fest. In der Summe wird dies zu einem entsprechenden Wirtschaftswachstum fĂŒhren.

Deshalb raten wir unter anderem dazu, heute in Unternehmen zu investieren, die diesen Trend erkannt und sich entsprechend positioniert haben. Es ist sicher, dass Öl knapp wird, es ist sicher, dass Rohstoffe knapp werden und es ist auch sicher, dass Lebensmittel, Wasser etc. knapper werden. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass die Preise steigen und damit Unternehmen mehr verdienen werden. Kein Mensch in Indien, China oder anderen LĂ€ndern wird weniger essen oder trinken weil es ein oder zwei Banken in Amerika weniger gibt
.
Außerdem nutzen einige Unternehmen die Situation, um sehr preiswert Mitbewerber zu ĂŒbernehmen und ihre zukĂŒnftige Wettbewerbsposition zu verbessern. Sie zeigen damit, dass die aktuelle Situation auch eine Chance darstellt.

Ebenso ist zu beobachten, dass sog. Insider (z. B. Vorstandsmitglieder) verstÀrkt Aktien ihrer Gesellschaft kaufen. Auch dies sind in der Regel positive Signale, denn wer soll den Wert besser einschÀtzen, als dieser Personenkreis.
 
Bedenken Sie, Sie haben mit Aktien in Sachwerte investiert und die meisten Menschen sind durch das Investment in Sachwerte reich geworden. Auch in Zukunft werden Aktien attraktiv bleiben und nur wer weniger VolatilitÀt (Schwankung) bevorzugt, sollte etwas stÀrker in nicht börsennotierte Sachwerte (z.B. geschlossene Fonds) investieren.
 

 

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